Obstbaumpflege > Obstbaumpflege – warum?

Obstbäume gedeihen auch ohne Schnitt. Ihre Entwicklung ist dann aber eine andere, als man sich wünscht. Wir erwarten von den Obstgehölzen nicht einfach nur Obst, sondern hochwertige, ansehnliche Früchte, welche verhältnismässig einfach zu ernten sind.

Deshalb sollte der Mensch hinsichtlich des Aufbaus und der Erhaltung des Kronengerüsts Einfluss auf die Entwicklung des Obstbaumes nehmen.

Beim Pflanzschnitt (Schnitt vor dem ersten Austrieb) wird das Gleichgewicht zwischen der verringerten Wurzelkrone und der Laubkrone wiederhergestellt. Unterlässt man diesen ersten Schnitt, so treiben die Leitäste an den Spitzen kurze Seitentriebe, die meistens Blütenknospen ansetzen. In der Mitte der Triebe bilden sich ebenfalls Blütenknospen. Die Basisknospen verharren im Ruhezustand. In der Regel tragen solche Bäume im folgenden Jahr bereits Früchte. Weil die Äste aber zu schwach sind, biegen sie sich unter dem Gewicht der Früchte herab. Die Holztriebbildung bleibt kümmerlich, weil der schwache Wurzelkörper nicht in der Lage ist, gleichzeitig Fruchtansätze und neue Triebe zu ernähren.

Zum Aufbau einer kräftigen, das Gewicht der Früchte tragenden Baumkrone ist es deshalb unerlässlich mit einem Pflanzschnitt und den nachfolgenden Erziehungsschnitten eine gut formierte Krone heranzuziehen.

Grundsätzlich sind Früchte an jüngerem Holz besser entwickelt als am alten Holz. Bäume mit geringer Triebbildung bringen zunehmend kleinere Früchte hervor. Und Bäume ohne Holztriebbildung vergreisen. Diese setzen zwar eine grosse Anzahl von Früchten an, welche aber klein und minderwertig ausfallen.

Deshalb ist es wichtig auf die Erhaltung eines genügenden Triebwachstums Wert zu legen. Abgetragenes, altes Fruchtholz muss durch junges ersetzt werden. Durch einen regelmässigen Unterhaltsschnitt kann die Holztriebbildung bei gleichbleibender Fruchtbarkeit bis ins hohe Alter der Bäume ständig angeregt werden. Der Baum bleibt im physiologischen Gleichgewicht.

Als weitere Aufgabe fördert der Baumschnitt die Fruchtbarkeit indem die Blätter und Früchte besser belichtet werden.

Die Tätigkeit der Blätter ist für den Obstbaum von grösster Bedeutung. Das Blatt ist das wichtigste Organ zur Herstellung von Zucker (Photosynthese), der später in Stärke umgewandelt wird. Diese Kohlenhydrate dienen sowohl dem Aufbau des Pflanzenkörpers (Triebe, Blätter, Knospen) als auch des Fruchtansatzes. Die Fruchtbarkeit der Obstbäume ist von einem Überschuss an organischer Substanz (Zucker, Stärke) abhängig. D.h. nach dem Verbrauch der zum Aufbau des Pflanzenkörpers benötigten Mengen an organischer Substanz müssen noch genügend organische Reservestoffe übrig sein, wenn das Obstgehölz fruchten soll.

Je besser die Blätter belichtet werden, desto besser können sie ihre Aufgabe erfüllen. Durch eine günstige Belichtung können sich auch die Früchte besser ausbilden. Sie verfärben sich intensiver und bilden ihre Wertstoffe (Zucker, Aroma usw.) vollkommener aus.

In einer lichten und lockeren Baumkrone können demnach die Blätter besser arbeiten, die Früchte reifen besser aus und zudem werden die Bäume weniger von Pilzkrankheiten befallen, da das Blattwerk schneller trocknen kann (eine Art vorbeugender Pflanzenschutz).